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03.08.2019, 15:09 Uhr

Weltwirtschaft schlägt auch auf Mittelstand durch

Rege Diskussion über Strategiepapier mit CDU-Wirtschaftsexperten

Mit der „Nationalen Industriestrategie 2030“ hat Peter Altmaier ein Konzept vorgelegt, wie sich die deutsche und europäische Wirtschaft den Herausforderungen durch Digitalisierung und den zunehmenden internationalen Handel stellen soll. Dafür hat der Bundeswirtschaftsminister nicht nur Zustimmung erhalten. Gerade der Mittelstand bemängelte, der Fokus liege zu sehr auf den großen Konzernen.

Über Industrie- und Mittelstandspolitik diskutierten die Bundestagsabgeordneten Stefan Rouenhoff und Marc Henrichmann mit Mitgliedern der Mittelstandsvereinigung. Moderiert wurde das Gespräch von Rainer Betz (vorne)

Gesprächsbedarf hat auch die Mittelstandsvereinigung (MIT) der CDU im Kreis Coesfeld: Sie diskutierte in Lüdinghausen mit dem CDU-Wirtschaftspolitiker Stefan Rouenhoff.

„Wir Mittelständler haben Einfluss“, stellte der MIT-Kreisvorsitzende Rainer Betz selbstbewusst fest. Das zeige sich daran, dass gleich zwei Bundestagsabgeordnete an dem Gespräch teilnahmen – neben Rouenhoff der heimische Parlamentarier Marc Henrichmann. Er hatte den Kontakt zum Wirtschaftsexperten seiner Fraktion vermittelt. Gekommen waren auch Unternehmerinnen und Unternehmer, Vertreter von Verbänden, Dr. Josef Gochermann vom MIT-Bundesvorstand und Wirtschaftsförderer Dr. Jürgen Grüner.

99,5 Prozent der Unternehmen in Deutschland seien kleine und mittlere Unternehmen. Das unterstreiche die Bedeutung mittelständischer Betriebe. Aber es müsse auch anerkannt werden, dass die großen Unternehmen für über 42 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland verantwortlich seien, betonte Rouenhoff. „Mittelstands- und Industriepolitik müssen daher zusammen gedacht werden“, so seine Überzeugung. Denn die Auftragslage etwa in großen Industriebetrieben schlage am Ende auch auf den Handwerksbetrieb mit wenigen Mitarbeitern durch.

Dass eine Industriestrategie vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Entwicklungen notwendig sei, machte Rouenhoff mit Blick auf China und die USA deutlich. So richteten etwa chinesische Investoren ihren Blick zunehmend auf strategisch bedeutsame Unternehmen und kritische Infrastrukturen in der Europäischen Union. Umgekehrt sei der chinesische Markt in wichtigen Sektoren für europäische Investoren nach wie vor stark abgeschottet. China wolle zudem mit seiner Strategie „Made in China 2025“ in bestimmten Wirtschaftsbereichen Weltmarktführer werden. Beispielsweise setze China auf Elektromobilität und der chinesische Markt werde entsprechend reguliert. Klar sei, dass sich deutsche Automobilhersteller einen Markt mit 1,3 Milliarden Konsumenten nicht entgehen lassen wollten. „Der Umbruch vom Verbrennungs- zum Elektromotor schlägt dadurch auf den mittelständischen Zulieferer vor Ort durch. Die Androhung von US-Strafzöllen im Automobilsektor setzt unsere heimische Wirtschaft zusätzlich unter Druck“, verdeutlichte er beispielhaft die Zusammenhänge.

Themen wie Bürokratie und Fachkräftemangel kämen gleichwohl zu kurz in dem Strategiepapier, meinten einige Mittelständler. Kleinere und mittlere Unternehmen, die vor dem Sprung zum Global Player stehen, müssten sich leichter Wagniskapital beschaffen können, hieß es. „Dies wird aktuell intensiv diskutiert“, erklärte Rouenhoff. Zur Industriestrategie insgesamt wird die Unionsfraktion im Herbst Stellung nehmen. „Anregungen der Mittelständler aus dem Kreis Coesfeld sind da herzlich willkommen“, so Henrichmann und Rouenhoff.