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29.04.2019, 11:44 Uhr

Dieselgate und seine politischen Konsequenzen

Diskussionsbeitrag von Dr. Winfried Boenigk

Nach einem Jahr (https://www.mit-coe.de/lokal_1_1_49_MIT-zur-Dieselaffaere--Update-zum-Bericht-vom-2722018.html)  ist es Zeit für ein Update zur Dieselthematik.

Erste Diesel-Fahrverbote sind in Kraft und politische Weichen wurden in Brüssel unter Mitwirkung des deutschen Umweltministeriums zum Nachteil deutscher Firmen gestellt.

Die Automobilindustrie und deren Zulieferer werden über Flotten- CO2- Reduktionsziele von 37,5% zu einem Konzernumbau gezwungen. Da Elektromobilität regulatorisch als „CO2-frei“ eingestuft wird, ist die Zahl benötigter Batteriefahrzeuge zur Verhinderung von Strafzahlungen per Dreisatz nachvollziehbar. Die Folgen sind dramatisch: unsere Volkswirtschaft wird innerhalb eines Jahrzehnts den 6-stelligen Verlust gut bezahlter Arbeitplätze zu verkraften haben. Der Elektro-Hype ist aus mehreren Gründen fragwürdig.

Der Strom für die neue Elektroflotte muss zusätzlich produziert werden. Es ist nicht zu erwarten, dass dieser aus alternativen Quellen stammt. Subventionen von über 20 Mrd. EURO/Jahr bescherten uns eine 35%-Quote installierter erneuerbarer elektrischer Energie und für den deutschen Stromkunden einen Spitzenpreis. Die 35%-Quote bezieht sich ausschließlich auf elektrische Energie. Die Einbeziehung anderer Energiearten, z.B. Wärme für Industrie und Gebäudeheizung sowie Kraftstoffe für Verkehrszwecke senkt diese Quote auf nur 14%.

Der größte Nachteil erneuerbarer Energie ist die fehlende Verläßlichkeit. Ohne Sonne und/oder Wind müssen Stand-by-Kraftwerke gleicher Kapazität ans Netz gehen. Welche Energieart soll künftig diese Versorgungslücke bei Abschaltung  von Atom- und Kohlekraftwerken schließen? Dies ist unser energiepolitisches Dilemma. Ersatzgestellung durch Gaskraftwerke ist für Investoren ohne gesicherte Auslastung kein Geschäft. Außerdem wird Erdgas nicht aus jeder Quelle goutiert. Der Wunsch, den Klimawandel zu begrenzen, ist lobenswert und nötig, aber wird mit den politischen Beschlüssen nicht erreicht.   

Ein weiterer Grund spricht gegen die exklusive Förderung der Elektomobilität. Beim heutigen Energiemix ist der batteriegetriebene Elektromotor dem Dieselmotor hinsichtlich CO2-Bilanz deutlich unterlegen. Es wundert sehr, dass ein anderer Kraftstoff völlig aus dem Fokus geraten ist. Die direkt wirksame beste CO2-Reduzierung bietet komprimiertes Erdgas (CNG) im Otto-Motor.  Wenn lokal verfügbar kann dieser sogar mit Biogas aus erneuerbaren Quellen betrieben werden.  

Warum kommt CNG nicht aus der Spezialitätenecke? Anfang 2019 fuhren 96.000 CNG-getriebene Fahrzeuge und 83.000 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen. CNG stagniert, während E-Mobilität trotz der Öko-Nachteile gepuscht wird. 900 CNG-Tankstellen in Deutschland bilden die Basis für eine geregelte Versorgung. CNG ist sogar bis 2026 steuerlich begünstigt.

Der Autor hat ein CNG-getriebenes Fahrzeug bestellt und wunderte sich über mehr als 6-monatige Lieferzeiten und hinterfragt die Prioritäten der Autohersteller. 

Wer die ganze Misere unserer Mobilität und Energiepolitik verstehen möchte, sollte den neuen IFO-Report aus München studieren:

https://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Archiv/2019/Q2/pm_20190417_sd08-Elektroautos.html

Resumé

Gut gemeinte politische Interventionen haben uns in eine verhängnisvolle Sackgasse geführt. Ein weiterer Anstieg der Energiepreise wird den gesellschaftlichen Konsens sprengen. Der Politik wird nichts anderes übrigbleiben, als das ganze Geflecht von Partikularinteressen zu hinterfragen und Steuerungsmechanismen einzuführen, die ein freies Spiel der Marktkräfte ermöglichen.  Elektromobilität ist eine Sackgasse: sie ist teuer und verbessert nicht unser Klima. Komprimiertes Erdgas (CNG) ist ein Kraftstoff zur direkt wirksamen Minderung des verkehrsbedingten CO2-, Partikel- und Stickoxid-Ausstoßes.